Meine Ratte wird alt - was muss ich beachten?
Leider haben Ratten nur eine relativ kurze Lebenserwartung von ca. 1,5 - 3 Jahren. Der Durchschnitt
liegt bei 2 Jahren. In seltenen Fällen werden sie auch etwas älter.
Denkt daran, dass alte Ratten lange nicht mehr so gut klettern und springen können und verkürzt den
Weg zu den verschiedenen Ebenen durch z.B. kleine Zwischenbretter oder Häuser. Es sollte dafür gesorgt
werden, dass keine größeren Falltiefen im Käfig vorhanden sind. Notfalls kann man an gefährlichen
Stellen (alles über 15 - 20 cm) Hängematten zum Auffangen anbringen.
Auch können manche alten Ratten nicht mehr selbständige hartes Futter fressen. In diesem Fall muss
natürlich auch zuerst der Tierarzt besucht werden, um Krankheiten auszuschließen.
Geht bei auftretenden Krankheiten bitte sofort zum Tierarzt (das gilt natürlich auch für junge Ratten),
gerade ältere Tiere sind nicht mehr so widerstandsfähig wie jüngere.
Mit ca. 1,5 Jahren kann man Ratten schon als älter (noch nicht als alt) ansehen. Sie werden im
Allgemeinen ruhiger, meist aber auch schmusiger.
Wie beim Menschen auch, stellen sich mit der Zeit typische Altersmerkmale ein. Die Ratten schlafen viel
mehr, toben nicht mehr rum wie früher, das Klettern fällt ihnen schwerer (nicht zu verwechseln mit
Gleichgewichtsstörungen - mit solchen muss man immer zum Tierarzt!).
Gerade auch die etwas schwereren Männchen bekommen oft eine altersbedingte Hinterhandslähmung (Ursache
leider noch weitgehend unbekannt, siehe auch "Krankheiten"), oder es entstehen altersbedingte Tumore,
die vielleicht inoperabel sind, weil die Ratte einfach zu alt für eine Narkose ist, so dass der Käfig
entsprechend behindertengerecht umgebaut werden muss.
Meistens sieht man der Ratte an, dass sie älter wird. Das Fell wird manchmal schütterer, oft "ergrauen"
sie grad auch um die Nase herum, sie wirken knochiger, gerade an der Wirbelsäule und in den Flanken,
oder nehmen ab. Ehemalige Fettröllchen hängen an den Seiten herunter, die Ratte bewegt sich im Ganzen
behäbiger (all diese Anzeichen können auch durch verschiedene Erkrankungen entstehen - unbedingt
abklären!).
Nun stellt sich oft die Frage, wie mache ich meinen Ratten den Lebensabend angenehmer?
Wie schon erwähnt, sollte jetzt der Käfig entsprechend umgebaut werden. Leitern z.B. sollten durch
Holzrampen ersetzt werden, da die Gefahr besteht, dass sie zwischen den Sprossen hindurchrutschen
und hängenbleiben bzw. sich nicht mehr selbst heraushelfen können. Diese Rampen kann man mit kleinen
Quersprossen versehen, damit die Ratten sich daran hochziehen können, oder auch mit Teppich bekleben.
Hierbei ist aber darauf zu achten, dass dieser so beschaffen ist, dass die Ratten nicht mit den
Krallen hängenbleiben und sich verletzen können - also keine Schlingenware benutzen.

Gerade den gehbehinderten Ratten sollte das Wasser und auch das Futter in unmittelbar erreichbarer
Nähe aufgestellt werden. Genauso muss darauf geachtet werden, dass die alten Ratten auch noch genügend
Körnerfutter und vor allem Vitamine (Obst) abbekommen.
Besonders Ratten mit z.B. Hinterhandslähmung und auch bewegungseingeschränkte Ratten, verursacht durch
z.B. Tumore oder andere Krankheiten, können sich oft nicht mehr selbstständig putzen. Diesen Job müsst
ihr dann übernehmen. Mit einem weichen Schwamm und lauwarmem Wasser (ggf. etwas sehr mildes Babyschampoo
verwenden) wird täglich der gesamte Genital- und Bauchbereich gereinigt. Auch die Augen, die Ohren, die
Zähne und die Krallen müssen regelmäßig kontrolliert und ggf. gereinigt werden. Vergesst nicht, die
Fußballen regelmäßig auf evt. Abszessbildung (Bumblefoot) zu untersuchen! Anfangs wird die Ratte das
nicht so gern zulassen, aber mit der Zeit gewöhnt sie sich daran und meistens genießt sie die Prozedur
bald sogar, bekommt sie dadurch doch wesentlich mehr Zuwendung :)

Diesen Ratten kann man dann extra Portionen Babybrei (Gläschen) anbieten, auch die mit Reis und
Hühnchen zB.
Hier seht ihr eine alte, stark abgemagerte und kranke Ratte, die so als Vermittlungstier abgegeben
wurde. Sophie hatte in der Vermittlungsstelle - wo sie geblieben ist - noch ein paar schöne Wochen.
Zum Schluss möchten wir noch erwähnen, dass leider die wenigsten Ratten altersbedingt "von ganz allein"
sterben. Meistens bleibt einem der letzte Gang nicht erspart :(
Denkt immer daran, wenn eine Behandlung sinnlos ist, nicht zu lange zu zögern. Es ist immer schwer,
diese letzte Entscheidung zu treffen, aber sie sollte wirklich zugunsten der Ratte getroffen werden und
nicht lange herausgezögert werden, nur weil man sich nicht von ihr trennen mag. Jedes Tier hat das Recht
in Würde - ohne sich lange quälen zu müssen - zu sterben, sei es auch oder zum Glück (für das
Tier, das dann nicht mehr leiden muss) durch die Euthanasie...

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