Fortpflanzung / Nachwuchs bei Ratten
Da wir von der Rattenvermehrung durch Rattenhalter, die von der wirklichen Zucht, Genetik
und was noch alles so dazu gehört nichts verstehen, nicht viel, nein gar nichts, halten, wollten
wir dieses Thema eigentlich gar nicht zur Sprache bringen.
Wir sind nicht generell gegen die Zucht, nur sollte sie dann von Leuten
betrieben werden, die wirklich etwas davon verstehen. Sprich Leute, die sich mit Genetik usw. wirklich
auseinandersetzen, ein wirkliches erstrebenswertes Zuchtziel verfolgen (darunter verstehen wir
nicht die ausschließliche
Farbzucht, sondern vielmehr zuerst die Gesundheit und ein freundliches Wesen der Ratten).
Dazu gehören weder selbsternannte Hobbyzüchter noch die Vermehrer für Zoogeschäfte usw.
Es kommt leider trotz der vielen Infos immer wieder vor, dass Rattenhalter unwissend bereits trächtige
Ratten aus Zooläden erwerben oder trächtige Notfallratten übernehmen.
Wir selber haben u.a. im November 2002 eine junge Rattenmutter mit ihren 3 Frischgeborenen aus dem Th
zu uns nach Hause geholt, damit diese sozialisiert und Menschen bezogen aufwachsen können.
Einen Foto - Bericht über die ersten 5 Lebenswochen könnt ihr euch hier ansehen:
Bei weiteren Fragen zur Aufzucht (nicht Zucht) wendet euch bitte direkt an das
Rattenforum oder den VdRD, da wir diesbezüglich keine
weiteren Erfahrungen haben.
Beim Verein der Rattenliebhaber und -halter findet ihr unter
"Verein", "RattGeber" und dann bei den Leseproben einen sehr guten Artikel über die Handaufzucht von Ratten.
Bei www.ratside.de könnt ihr ein weiteres sehr schön gemachtes
Babytagebuch mit Fotos und allen wichtigen Daten, so zum Beispiel das Gewicht der Babys in welchem Alter,
anschauen.
Wichtige Daten: |
Geschlechtsreife bei Ratten: |
ca. 5. Lebenswoche |

Wenn Ratten Nachwuchs bekommen, braucht der Halter im Allgemeinen nichts weiter zu tun. Die
Rattenmama weiß normalerweise selbst genau, was sie zu tun hat.
Wichtig ist, dass die Gitterstäbe des Käfigs einen Abstand von nicht mehr als 1 cm haben, sonst
können die Kleinen, wenn sie erst das Krabbeln anfangen, sich dort durchzwingen. Auch sollte der Käfig
nach Möglichkeit noch vor der Geburt gereinigt werden, da man ihn die ersten Tage weitgehenst in
Ruhe lassen sollte und nur um das Nest herum reinigen.
Man sollte natürlich sehr vorsichtig sein, was das Hochheben der trächtigen Ratte angeht. Die kleinen
Ungeborenen sind sehr empfindlich und können leicht verletzt werden.
Natürlich sollte der Wurf nach der Geburt, am besten wenn die Rattenmama gerade ihren gewohnten
Freilauf bekommt, nach Totgeburten, Verletzungen oder Missbildungen untersucht und ggf. entsprechend
eingegriffen werden.
Dabei sollten die Kleinen mindestens die ersten 4-5 Tage noch nicht berührt werden, manche Mütter
nehmen die Babys sonst nicht mehr an. Eine gute Möglichkeit ist, sich die Hände vorher in dem
Nistmaterial abzureiben. Trotzdem vorsichtig sein.
Manche Rattenmütter bauen ihr Nest ganz oben im Käfig. Wenn es sich hierbei nicht um eine durchgehende
Etage handelt, sollte das Nest bzw. die Etage gegen Abstürze gesichert werden, damit die Babys beim
umherkrabbeln nicht runterfallen können. Man kann z.B. Hängematten direkt unter die Etage hängen oder
Zwischenbretter einlegen.
Viele Rattenmütter sind während der Saugzeit sehr agressiv und verteidigen ihr Nest bis aufs
Blut. Man sollte das Nest dann also nur dann kontrollieren, wenn die Mutter grad ihren Auslauf hat. Den
sollte sie natürlich auch während der Aufzucht haben, allerdings so, dass sie selbständig
und jederzeit auch wieder zurück zu ihren Jungen kann.
Achtung! Auch sonst total zahme Ratten könen ihr Verhalten während sie Junge haben, dem
Menschen gegenüber total verändern!
Die Mama braucht während der Trächtigkeit und auch während der Aufzucht, genau wie ihre Babys, etwas
mehr Eiweiß (milder Käse, Babymilchbrei, Joghurt, Quark, Kolbenhirse usw.) als sonst üblich.
Ansonsten sollte sie viel frisches Obst und Gemüse bekommen, wie jede andere Ratte aber auch.
Nach etwa 5 Tagen kann man anfangen, die Babys an die Hand zu gewöhnen, auch wenn sie noch blind
sind. Zahme Ratten lassen sich wesentlich einfacher vermitteln und so werden sie schnell
Menschenbezogen.
Es ist aber nicht zwingend notwendig, die Kleinen schon in dem Alter an die Hand zu gewöhnen, das
funktioniert auch noch, wenn sie von selber anfangen, herumzukrabbeln.
Gerade bei Rattenmüttern, die gestresst auf die Störungen im Nest reagieren. kann sich das
auch gegenteilig auswirken oder gar dazu führen, dass die Mutter ihre Babys gar nicht mehr beachtet
oder sogar tötet/auffrisst.
Rattenbabys werden nackt und blind geboren, auch die Ohren sind noch geschlossen und angelegt. Sie sind
Nesthocker.
Nach nur wenigen Tagen wächst der erste Flaum und man kann dann oft bereits die Grundfarbe erkennen.
Die Augen und Ohren öffnen sich mit ca. 14 Tagen, dann fangen sie auch an, die ersten
Krabbelversuche zu unternehmen.
Etwa mit der 3. Lebenswoche fangen die Babys an, zusätzlich zur Muttermilch festes Futter aufzunehmen,
benötigen aber auf jeden Fall auch weiterhin Muttermilch.
Im Alter von ca. 5 - 6 Wochen sind die Babys abgabebereit. Die Männchen sollte man mit 5 Wochen
von der Mutter trennen, damit es nicht zu erneuten Trächtigkeiten kommt, da sie zwischen Mutter,
Schwestern und anderen weiblichen Ratten keinen Unterschied machen.
In der 4. - 5. Woche lernen die Babys das wichtige Sozialverhalten von der Mutter, von daher nicht unnötig
früh trennen!
Der richtige Zeitpunkt ist immer etwas schwierig zu beschreiben. Sie sollten mindestens 4,5 Wochen alt
sein, besser sind 5 Wochen. Die Hoden sollten komplett ausgebildet aus der Bauchhöhle herausgetreten sein. Die
Weibchen können natürlich auch länger bei der Mutter bleiben.
Die Geschlechterbestimmung gestaltet sich oft etwas schwierig. Solange die Kleinen noch nackt sind, kann man
meistens sehr gut die Zitzen der Weibchen erkennen. Auch "Löcher zählen" ist eine gute Möglichkeit. Weibchen
haben 3 Löcher, Männchen nur 2. Wir haben es am bestens mit 12 Tagen sehen können. Eine weitere
Möglichkeit ist der Abstand der Löcher. After und Harnröhre liegen beim Männchen sehr viel
weiter auseinander als beim Weibchen.
Wenn man die Jungen nach und nach miteinander vergleicht, kann man die Unterschiede doch recht schnell erkennen.
<-- Männchen
Weibchen -->

De Abstand After - Harnausgang ist beim Männchen größer als beim Weibchen. Deutlich kann man beim
Männchen die Hoden erkennen.
Hier ein Bild von einem 12 Tage altem Weibchen
Bitte vermittelt keines der Babys in eine Einzelhaltung, sondern nur zu anderen Ratten und am besten
gleich zu zweit, das macht ihnen den Umzugstress leichter. Wir vermitteln Babys, soweit das mit der
Aufteilung der Geschlechter klappt, generell nur zu zweit.
Das sie nur zu gleichgeschlechtlichen Ratten kommen sollten, sollte selbstverständlich sein.
Auch wenn sie zu einer oder mehreren bereits älteren Ratten kommen, sollten sie wenigstens zu zweit
integriert werden, da sonst die Gefahr besteht, dass bald wieder eine Ratte (nämlich die
jüngere) allein ist.
Auch benötigen die Kleinen unbedingt einen Spielkameraden, eine ältere Ratte kann sich durch
den Spieldrang eines einzelnen Babys (das ja sonst niemanden zum Spielen hat) schnell genervt fühlen.
Für das erlernbare Sozialverhalten ist es ebenfalls sehr wichtig, dass die junge Ratte einen
gleichaltrigen Spielkameraden hat.
Ihr solltet euch auch sehr früh um die Vermittlung der Babys bemühen, da sich diese meist nicht sehr
einfach gestaltet. Als Möglichkeiten kommen hier in Frage, z.B. Zettelaushänge in Tierheimen,
Tierarztpraxen, bei verschiedenen online Kleinanzeigenmärkten und nicht zuletzt beim Rattenforum
oder beim VdRD.
Die Ratten in ein Zoogeschäft (zurück) zu bringen, halten wir für die schlechteste Lösung, da man
nie so genau weiss, ob sie nicht doch als Reptilienfutter verkauft werden, auch wenn die Ladeninhaber
das gern bestreiten. Wir gehen auch mal davon aus, dass die meisten "Rattenmamis" und "Rattenpapis" doch
gern wissen, wo die Babys nun hinkommen und das ist in einem Zoohandel einfach nicht nachvollziehbar.
Hier mal ein paar Links zu Vermittlungsseiten im Internet: