Bei meiner Ratte steht eine OP an

Ja, irgendwann kann leider immer mal der Tag kommen, an dem eine Ratte operiert werden muss. Sei es nun eine Kastration, oder ein Tumor, Abszess o.ä.

Es gibt verschiedene Arten der Narkose. Da wäre einmal die Inhalationsnarkose (mittels Gas, meistens Isofloran) und die Injektionsnarkose. Beide Möglichkeiten bieten Vor- und Nachteile.

Inhalationsnarkose: Bei dieser Form der Gasnarkose ist uns bis heute kein Todesfall bekannt, da das Narkotikum gut dosiert und im Notfall auch schnell wieder abgesetzt werden kann. Auch ist die Aufwachphase recht kurz, die Ratten sind bald nach der OP wieder fit. Allerdings kann es bei Ratten mit Atemwegserkrankungen zu Schwierigkeiten kommen.

Injektionsnarkose: Die Dosierung kann sich als schwieriger erweisen. Die Aufwachphase dauert länger. Das jedoch hat auch wieder einen Vorteil: die Ratte geht nicht sofort an die frische Wunde und "verschläft" den ersten Wundschmerz.

Welche Narkoseform gewählt wird, sollte der rattenerfahrene TA (Tierarzt) entscheiden. Wichtiger als die Art der Narkose ist, das der TA Erfahrungen mit OP´s bei Ratten und mit der jeweiligen Narkoseart hat. Was nutzt uns ein TA, der zwar über ein Inhalationsnarkosegerät verfügt, aber noch keine Erfahrungen damit gemacht hat, bzw. nicht weiss, wie er dosieren soll. Da wäre sicherlich der TA, der schon gute erfolgreiche OP´s mit der Injektionsnarkose hat, besser.

Es steht also eine OP an, spätestens jetzt stellt sich die Frage, wie gehe ich nun vor, was muss ich vor und nach der OP beachten.

Plant den OP Tag möglichst genau ein. Am besten wäre es natürlich, wenn jemand die ganze Zeit zu Hause sein und die Ratte beobachten kann (wir wechseln uns sogar Nachts ab, damit nicht alle Fäden gezogen werden...)

Wenn ihr Fragen an den TA habt, schreibt euch diese schon einige Tage vor der OP auf und stellt sie dem TA ebenfalls vor der OP. So vergesst ihr nichts Wichtiges, für den Fall, dass der TA später nicht sofort Zeit für euch hat (ein Notfall kann ja immer mal eintreten oder die Praxis ist sehr voll), wenn ihr wegen einer Frage anruft.

Ganz wichtig ist auch, dass ihr einen Krankenkäfig zu Hause habt und nicht auf den letzten Drücker noch loslaufen und einen kaufen müsst. Für den Notfall ist es eh immer besser, einen (wenn auch kleineren) Ersatzkäfig im Hause zu haben. Der Krankenkäfig sollte nicht zu hoch sein, damit die Ratte nicht zu viel klettert.
Wir haben einen kleinen Meerschweinchenkäfig (lt. Handel...für Meeris natürlich viiieeel zu klein!) mit geringem Gitterabstand.
Man sollte die Ratten auch vorher schon mal an den zukünftigen Krankenkäfig gewöhnen, indem man sie mal während des Freilaufs darin rumklettern lässt. So ist der Käfig dann im Fall der Fälle nicht ganz so beunruhigend und neu.

Auf ein Schlafhaus würde ich erfahrungsgemäß verzichten, da sich die Ratte dort von euch unbemerkt ganz heimlich alle ihrer Fäden "entledigen" kann. Eine Hängematte oder ein Karton mit 3 offenen Seiten (kein Dach) reicht völlig aus.

Vor der OP:

Die zu operierende Ratte sollte nicht zu früh von ihren Artgenossen getrennt werden, da dieses zusätzlichen Stress für sie bedeutet. Am besten, man trennt sie erst kurz vor dem Transport zum TA.

Wichtig ist, dass die Ratte nicht vollständig nüchtern in die OP geht. Bis ca. 1 - 2 Stunden vorher sollte sie auf jeden Fall fressen können, was sie möchte und Wasser sogar bis kurz vor der OP.
Der Grund, warum man nüchtern zu einer OP erscheint ist, dass man evt. Gegessenes erbrechen und dann daran ersticken kann.
Ratten (eigentlich alle Nager und Kaninchen) können aber nicht erbrechen und haben zudem einen sehr schnellen Stoffwechsel und Kreislauf, der leicht zusammenbrechen kann, wenn sie über mehrere Stunden nichts zu fressen bekommen.

Die Ratte sollte in einer mit Küchentüchern ausgelegten Transportbox, aus der sie leicht herauszuholen und auch wieder hineinzulegen ist, zum TA (Tierarzt) gebracht werden.
Ein kleiner Gitterkäfig ist nicht ratsam, da die Ratte, wenn sie noch nicht wieder völlig aus der Narkose erwacht ist, beim Versuch, die Gitter hochzuklettern, abstürzen und sich dabei verletzen (z.B. Naht aufreissen) kann.
Eine Nippeltränke sollte an der Box befestigt sein, falls die Ratte längere Zeit beim TA verbleiben sollte (wenn man z.B. den ganzen Tag arbeiten muss und die Ratte erst am Abend wieder abholen kann). Wir stellen auch immer noch ein Schälchen mit Babybrei in den Transporter, damit die Ratte nach der OP etwas weiches zu fressen hat. An Körnern kann sich eine gerade erwachte Ratte verschlucken. Auch Joghurt, Salatgurke, Banane o.ä. ist O.K.

Wenn euer TA Erfahrungen mit Ratten-OP´s hat, wird er die Ratte nach (bei längeren OP´s auch während) der OP warm halten (Wärmelampe, Wärmflasche o.ä.), da sie leicht auskühlen kann. Er wird dafür sorgen, dass die Augen (die ja während der Narkose offen bleiben) nicht austrocknen können, entsprechend für Augentropfen, -salben o.ä. sorgen und die Ratte in der Schlafphase regelmäßig drehen, damit die Augen sich nicht "wundliegen".
Bei all meinen Ratten wurde nach der OP Glucose gespritzt, damit der Stoffwechsel nicht zusammenbricht, weil die Ratte ja eine längere Zeit nicht fressen kann.

Ein erfahrener TA wird die Ratte vor der Narkotisierung genau wiegen, da das Narkosemittel nur nach dem Gewicht richtig bemessen werden kann. Auch wird er den Termin so legen, dass die Ratte nicht unnötig lange in der Transportbox verbleiben muss und so Stress ausgesetzt wird (unbekannte Umgebung, Angst). Die Transportbox sollte, wenn nicht sofort narkotisiert werden kann, in einem dunklen ruhigen Raum gestellt werden, allerdings sollte das Tier bei einem guten TA auch nicht lange auf die OP warten müssen..

Bei einigen TA ist es auch möglich, bis zur vollständigen Narkotisierung oder gar während der OP bei der Ratte zu bleiben. Sprecht Euren TA einfach mal darauf an. Allerdings ist es für die meisten wohl eher nicht angebracht, bei der OP anwesend zu sein. Wenn einem schlecht wird, stört es den OP Ablauf und es kann dadurch natürlich auch zu Komplikationen kommen, wenn sich der TA erstmal um euch kümmern muss.

Wichtig: sprecht euren TA auf Schmerzmittel an. Auch Ratten haben Schmerzen nach einer OP und sollten entsprechende Medikamente (Metacam) erhalten. Leider denken viele TA da nicht dran oder sind der Meinung, dass Ratten besser ohne aufgehoben sind. Besteht darauf!
Die Dosierung von Metacam bei Ratten könnt ihr bei vetpharm, genau hier nachlesen, diese hat sich geändert und so einige TA haben dies nicht mitbekommen und verabreichen eine viel zu niedrige Dosis.

Nach der OP:

Die Ratte sollte erst wieder mit nach Hause genommen werden, wenn sie vollständig erwacht ist. Nur beim TA kann in einem Problemfall sofort die richtige Hilfe gegeben werden. Auch kann es gefährlich für die Ratte werden, wenn sie kurz nach der OP transportiert werden muss.

Der TA wird euch aber sicherlich so einige Ratschläge mit auf den Weg geben. Hier aber trotzdem das Wichtigste, das zu beachten ist.
Ihr solltet die Ratte auf jeden Fall weiterhin warm halten, aber ihr auch die Möglichkeit geben, sich aus dem Bereich einer Wärmelampe (Rotlicht ist schädlich für die Augen), einer Wärmflasche usw. zu entfernen.
Die Ratte sollte bis zum vollständigen Erwachen in der Transportbox bleiben oder zumindest so untergebracht werden, dass sie sich nicht verletzen kann.
Sie braucht jetzt Ruhe und auch euren Trost und Zuspruch. Am besten, man nimmt sich zumindest für den OP Tag sowieso frei (besser auch noch den Tag danach) oder lässt die OP zum Wochenende durchführen.
Eine OP in den Urlaub zu legen oder für eine ganztägige "Betreuung" zu sorgen, ist natürlich die sicherste Lösung, grad in Bezug auf das Fädenziehen durch die Ratte selbst, nur leider halten sich Tumore etc. nicht an die Urlaubspläne...

Beobachtet die Ratte bis zur völligen Wiederherstellung und fragt am besten den TA (vorher), wann in etwa die Ratte wieder fit sein sollte. Wenn es sehr viel länger dauert, setzt euch mit dem TA in Verbindung.
Falls die OP erst später durchgeführt wurde, fragt den TA, ob und wo er auch nach der Sprechzeit zu erreichen ist.

Wasser sollte ihr ständig zur Verfügung stehen und fressen sollte sie, sobald sie möchte.
Wir bieten unseren Ratten nach einer OP Babybrei, Joghurt o.ä. an, gerade wenn sie noch etwas torkelig sind, kann es vorkommen, dass sie härtere Sachen (Körner) zu schnell fressen und sich verschlucken. Am besten, man lässt die Ratte den Brei vom Finger abschlecken. Sobald sie sicher läuft, kann man Obst/Gemüse und auch das Körnerfutter dazu stellen.

Am ersten Tag wird die Ratte noch etwas matt sein -ist ja auch kein Wunder- so eine Op ist ja doch immer ein schwerer Eingriff. Auch sieht es immer sehr schlimm aus, wenn die Ratte durch die "Gegend" torkelt, das ist aber normal und auch notwendig, weil sie alles versucht, wieder auf die Beine zu kommen.
Bei Injektionsnarkosen dauert es im Allgemeinen länger, bis die Ratte wieder fit ist, als bei Inhalationsnarkosen.
Aber bereits am nächsten Tag wird sie sich wieder normal ganz "wie die Alte" verhalten :)))

In den meisten Fällen sollte die Ratte die ersten Tage allein gehalten werden, da die Gefahr besteht, dass die anderen Ratten an die Fäden gehen und diese herausziehen.
Sollte das in den ersten Tagen nach der OP passieren, muss die Ratte wahrscheinlich nochmal zum TA und die Wunde ggf. neu genäht bzw. geklammert werden.
Nach ca. 1 Woche ist die Wunde meist wieder so gut wie verheilt (äußerlich), Wunden bei Ratten heilen sehr schnell, und es ist nicht mehr so schlimm, wenn der eine oder andere Faden dann bereits entfernt ist. Fragt trotzdem lieber euren TA, da die Fäden ja erst nach 10 Tagen gezogen werden.
Wir halten es so, dass wir die operierte Ratte trotzdem mit den anderen zusammen in den Freilauf lassen, damit sie nicht den Kontakt zu ihnen verliert und sie ggf neu integriert werden muss (das kann schnell auch nach nur 1 Woche Trennung passieren). Wenn man die Ratte die ganze Zeit im Auge behalten kann, ist es ratsam, die ein oder andere Ratte aus dem Rudel wenigstens mal stundenweise zu der Kranken zu setzen, damit sie Gesellschaft hat. Dabei aber immer gut aufpassen!
Sollte die Ratte die ersten Tage einzeln gehalten werden, so sollte ihr Krankenkäfig direkt neben dem großen Käfig stehen, damit sie wenigstens Sicht- und Schnupperkontakt zu ihren Artgenossen hat.

Manchmal kann man die Ratte auch nach 1 oder 2 Tagen wieder zu den anderen setzen, aber das kommt eben immer auf den Einzelfall (Verhalten der anderen, Rudelgröße, Käfigausstattung und nicht zuletzt auf die kranke Ratte selbst) an und ob jemand da ist, der regelmäßig nachschauen kann, ob alles in Ordnung ist.

Kontrolliert die Wunde täglich nach Entzündungen!
Die Ratte sollte wegen der Entzündungsgefahr bis die Fäden gezogen werden, auf Küchenpapier (Klopapier, Tücher, Zeitung) gehalten werden, das täglich gewechselt werden muss (ggf. öfter)
Oft wird nach der OP (grad bei Kastrationen der Böcke) auch ein AB mitgegeben oder auch z.B. Topic Spray (zur Desinfektion, mit AB versetzt).

Den Krankenkäfig decken wir wegen der Zuggefahr ringsrum mit Handtüchern ab, gleichzeitig hat das den Vorteil, dass die Ratte/n es etwas dunkler haben.
Hier seht ihr mal ein Foto eines Krankenkäfigs:

Der Krankenkäfig

So, wir hoffen, wir haben jetzt alle Fragen beantwortet.
Wir sind keine TA, haben auch keine entsprechende Ausbildung, können hier also nur unsere Erfahrungen (natürlich ohne Gewähr) wiedergeben.

Wir wünschen allen Ratten, denen eine OP bevorsteht, alles Gute!

Elfa

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