Meine ersten Ratten - erste wichtige Infos

Unsere domestizierten Wanderratten, nachstehend Farbratten oder auch Heimtierratten (keinesfalls Hausratten - das ist eine eigenständige Art) und manchmal "Edelratten" genannt, sind bei entsprechender Haltung sehr intelligente (manche mehr und einige weniger ;-) ) und ziemlich neugierige Nagetiere.
Ratten als Heimtier werden immer beliebter, sind sie doch ideale Haustiere gerade auch für berufstätige Menschen. Die Ratte verschläft nahezu den ganzen Tag, ist aber in den Morgen- und Abendstunden, wenn "ihre" Menschen zu Hause sind, munter. Allerdings passt sie sich hier auch wieder etwas den Lebensumständen des Halters an und hat auch tagsüber immer wieder Wachphasen, in denen sie bereit ist, mit ihrem Menschen zu kuscheln/spielen.

Bevor man sich mind. 2 oder auch mehr gleichgeschlechtliche (!) Ratten in die eigenen vier Wände holt, sollte man sich auf jeden Fall mit der ganzen Familie absprechen. Es könnten Tierhaarallergien vorhanden sein evt. vorher testen lassen, ob Ratten auch darunter fallen, allerdings können Allergien auch sehr plötzlich auftreten), oder es bedarf im Vorwege einiger Aufklärungsarbeit.
Bei bereits bestehenden Allergien ist die Gefahr, auch auf Ratten zu reagieren, sehr hoch - das kann sich auch erst nach ein paar Wochen herausstellen. In diesem Fall wäre es sinnvoll, erstmal einige Zeit den Kontakt zu Ratten bei anderen Haltern oder im Tierheim zu suchen.
Weiterhin sollte vorher geklärt sein, wer im Krankheits- oder Urlaubsfall die Pflege der Ratten übernimmt, damit der Weg ins Tierheim ausgeschlossen werden kann. Kinder und Jugendliche sollten mit den Eltern klären, wer im Krankheitsfall für die TA Kosten aufkommt, da diese doch auch schon mal sehr hoch (OPs) ausfallen können.
Nur weil Ratten kleiner als zB Katzen sind, ist die Behandlung nicht automatisch günstiger, sondern liegt oft im selben Rahmen.

Holt euch bitte nicht heimlich Ratten und versteckt sie in der Wohnung oder gar im Garten (leider ist auch das schon vorgekommen :( ).
Zum einen kommt es sowieso irgendwie raus und zum andern tut ihr den Ratten damit wirklich keinen Gefallen. Ganz im Gegenteil, eine solche "Haltung" ist reine Tierqälerei und bei einer verantwortungsvollen Tierhaltung denkt man zuerst an das Wohl der Tiere und nicht an sich selbst.
Wenn der Rest der Familie keine Ratten duldet, muss man eben auf sie verzichten und sich später, in der eigenen Wohnung welche zulegen.
Auch wenn es schwer ist, bedenkt auch, dass eure Eltern es sind, die letztendlich doch für die Tiere aufkommen (ja, auch das Taschengeld kommt ja von ihnen und ist keine Pflichtabgabe). Fragt in solch einem Fall doch mal im örtlichen Tierheim, ob ihr euch dort nicht um die Tierheimratten kümmern dürft. Die meisten Tierheime nehmen ehrenamtliche Hilfe gern an.
Ein weiterer Vorteil ist vielleicht, dass eure Eltern so sehen können, dass es sich bei dem Wunsch, Ratten zu halten, nicht unbedingt um ein "Hirngespenst" handelt, sondern dass dieser durchaus ernst gemeint ist. Ihr könnt zeigen, dass ihr Verantwortung übernehmen könnt und vielleicht kommen eure Eltern ja auch mal mit und sehen sich die Ratten auch mal selber an. Oft ist es auch hilfreich, wenn ihr mit euren Eltern mal einen "Rattenfreundestammtisch" aufsucht und euch dort vor Ort aufklären lasst :)
Adressen in ganz Deutschland/Österreich verteilt findet ihr im Rattenforum (Link links im Menue) oder auch auf den Seiten des VdRD unter "Verein" und dann "Regionalgruppen".

Ronja

Sam

Ronja

Sam

Auch in der menschenbezogenen Heimtierhaltung dürfen Ratten auf keinen Fall als Einzeltiere gehalten werden. Einzeltiere werden, egal wie sehr man sich um sie kümmert, ohne den Artgenossen mit der Zeit vereinsamen, verkümmern, krank und neigen manchmal sogar dazu, zu Beißern zu werden.
Ratten putzen sich gegenseitig das Fell (und wir wollen doch nicht die Ratte ablutschen, oder?) und schlafen aneinander gekuschelt. Sie kommunizieren im Ultraschallbereich miteinander und auch das ist uns nicht möglich.
Es sollten immer wenigstens zwei gleichgeschlechtliche (man bedenke die vielen ungeplanten Rattenbabies und wo sie vielleicht mal landen werden!) Ratten zusammengehalten werden. Hierbei bleibt es sich gleich, ob es sich dabei um 2 Weibchen oder 2 Männchen handelt. Auch die Haltung von Weibchen oder Böcken mit kastrierten Männchen (Weibchen werden im Allgemeinen wegen des erhöhten Risikos nicht kastriert) ist natürlich möglich.

Unseren Erfahrungen nach sind die Männchen oft (nicht immer) schmusiger, liegen dafür aber auch beim Freilauf lieber irgendwo faul herum und setzen Speck an, die Weibchen sind eher quirliger und haben zumindest solange sie jung sind, keine oder wenig "Zeit", sich knuddeln zu lassen. Auch sind sie oft nagefreudiger. Aber auch das kann von Ratte zu Ratte variieren.
So war unser kastrierter Spunky ständig auf Achse, einige Weibchen dagegen kommen zum Auslauf zwar aus dem Käfig, machen es sich aber sofort unter dem nächsten Sofa bequem ;)
Mit zunehmendem Alter werden sie aber eigentlich alle schmusiger.

Es lohnt sich immer, in der Notfallliste des VdRD e.V., in der Notfallrubrik des Rattenforums oder auch bei den umliegenden Tierheimen nach Ratten zu fragen, oftmals fristen Ratten dort ihr Leben lang ein einsames Dasein.
Immer wieder werden dort Rattenbabies abgegeben, die "aus Versehen" geboren wurden, da Männchen und Weibchen zusammen gehalten wurden, weil Menschen im Zooladen falsch beraten wurden, oder die Verkäufer ("Fach"personal nennt man das...) schlichtweg nicht in der Lage waren, die Ratten nach Geschlechtern zu sortieren.

Kuschelstunde


Auch verkaufen private Vermehrer ihre Ratten oft über Zeitungen, obwohl sie keinerlei Ahnung von Genetik haben und somit oft genetisch vorbelastete (kranke, behinderte) Tiere auf die Welt kommen. Wenn also jemand erzählt, dass er/sie ein Hobbyrattenzüchter ist, bzw. Männchen und Weibchen zusammen hält, sollte man von einem Kauf auch dort absehen. Ein echter Züchter hat eine Züchterlizens und gehört einem Verein an.

Dann gibt es noch Rattenhalter, die einfach "nur mal so" Nachwuchs produzieren. Leider wird nach dem ersten Wurf oft nichts geändert (Kastration des Männchens) und der nächste Wurf und die nächste Abgabe ins Tierheim (oder gar ins Zoogeschäft, wo sie dann oft als Futtertiere verwertet werden) ist bereits vorherzusehen. Oftmals wird dieses sogar als Hobbyzucht bezeichnet, dabei handelt es sich hierbei auch nur um unqualifiziertes Vermehren.

In vielen (den meisten) Zoohandlungen werden auch heute noch die Tiere in gemischtgeschlechtlichen Gruppen gehalten, so dass es oft genug (viel zu oft!) dazu kommt, dass man praktisch gleich ein ganzes Rudel erwirbt, obwohl man sich nur 1 oder 2 Ratten gekauft hat, weil die Weibchen - meist selber noch Babys - bereits trächtig sind...
Es kommt leider häufig vor, dass Ratten aus Zoogeschäften nicht richtig zahm werden, weil sich dort niemand um sie kümmert, sie durch zu grelles Licht, ständiges Klopfen an die Behälter und fehlende Verstecke verstört sind und anfangen zu beißen.
Mit einem Kauf von Ratten (Tieren) in Zoohandlungen unterstützt man eigentlich nur die Hinterhofvermehrer, Lebendfutterzüchter und die meistens schlechte, nicht artgerechte Haltung in den Geschäften. Die Ratten werden meist in viel zu kleinen Behältern gehalten, die völlig überfüllt sind, vermehren sich wahllos, haben kaum Versteckmöglichkeiten, oft sogar fehlt Wasser und Frischfutter ist eher die Seltenheit.
Es mag Ausnahmen geben, wir haben jedoch in all den Jahren noch nicht einen Zooladen gefunden, in dem Ratten einigermaßen artgerecht gehalten wurden.
Man sollte auch immer bedenken, dass Tiere, solange sie als Ware über den Ladentisch gehen, niemals vor Gericht als lebende Wesen, sondern weiterhin als Sache gehandhabt werden.
Auch bereits ausgewachsene Tiere werden (oder sind es sofort) wieder sehr anhänglich und danken einem ihre "Rettung" oftmals mit mehr Anhänglichkeit als junge Ratten. Erfahrene Rattenhalter können sogar verhaltensgeschädigten oder gar bissigen Ratten noch ein schönes Leben bieten. Es muß ja nicht jede Ratte ein "Schmusetier" sein, zumal wenn man eine etwas größere Gruppe hält.
Für Rattenanfänger sind etwas ältere zahme Ratten manchmal sogar empfehlenswerter, da sie nicht mehr so "flutschig" und wild sind.
Bevor die Ratten nun in ihr neues Zuhause kommen, sollte der eingerichtete Käfig bereits vorhanden sein. Schaut zu diesem Thema auf der Seite "Der Rattenkäfig" nach. Dort findet ihr viele Anleitungen zum Käfigselbstbau, aber auch umgebaute und fertig eingerichtete Käfige aus dem Handel.
Auch einen Link zu einem kleinen Programm zur Berechnung der notwendigen Käfiggröße für eine bestimmte Anzahl von Ratten gibt es dort.
Auch bei einem noch so großen Käfig sollte man den täglichen Freilauf im rattensicherem Zimmer nicht vergessen. Kein noch so großer Käfig ersetzt den Freilauf! Hierzu findet ihr mehr auf der Seite "Freilauf".

Flöckchen beim Freilauf


Weitere erste wichtige Fragen werden in den Faq`s beantwortet und auch das Rattenforum bietet eine große Hilfestellung von gleich mehreren erfahrenen Rattenhaltern.

Ganz wichtig ist es, dass man gleich zu Beginn einem guten, rattenerfahrenem Kleintierarzt kennt, möglichst rechtzeitig, bevor ein Besuch notwendig ist. Wenn die Ratte erstmal krank ist, bleibt oft keine Zeit, um einen geeigneten Tierarzt zu finden und ein Tierarzt, der wenig oder keine Erfahrungen mit Ratten hat, kann viel falsch machen. Leider haben erfahrungsgemäß nur die wenigsten Tierärzte wirklich Erfahrung mit Ratten.
Ratten neigen leider zu verschiedenen Krankheiten. Hierbei handelt es sich oftmals um Krebstumore, welche bei einem guten rattenerfahrenem Tierarzt in vielen Fällen operabel sind.
Es gibt auch verschiedene Atemwegserkrankungen, die sich vorher meist durch rasselndes, geräuschvolles Atmen bemerkbar machen. Auch hier kann ein rechtzeitig gegebenes geeignetes Antibiotikum oftmals helfen. Mehr dazu findet ihr unter "Krankheiten". Wenn ihr keinen rattenerfahrenen TA (Tierarzt) findet, könnt ihr euch auch an das Rattenforum oder den VdRD wenden, die eine Liste mit rattenerfahrenen Tierärzten führen.

Ratten werden auch bei guter Haltung durchschnittlich nur etwa 1,5 - 3 Jahre alt, wobei ein Alter von 3 Jahren eher seltener ist. Diese relativ kurze Lebenszeit wollen wir den Ratten so schön und gesund wie möglich gestalten.
Gerade durch die doch sehr kurze Lebensdauer und auch weil sie sehr klein sind, sind Ratten für Kinder unter 12 Jahren eher ungeeignet. In diesem Alter können viele Kinder noch nicht abschätzen, wie fest sie zupacken und es besteht die Gefahr, dass sie die Ratten unbeabsichtigt verletzten. Aber auch bei älteren Kindern sollten die Eltern immer ein Auge auf die Tiere halten, darauf achten, das regelmäßig gefüttert und auch der Käfig gereinigt wird.
Gerade Kinder und Jugendliche in der Pubertät können schnell mal das Interesse verlieren. Das sollten Eltern bedenken und dann auch bereit sein, unterstützend einzugreifen. Für diesen Fall ist es eben auch wichtig, dass alle mit der Rattenhaltung einverstanden sind.
Jüngere Kinder werden nicht viel von den Ratten haben, da diese erst munter werden, wenn die Kleinen bereits im Bett sind.

Ganz wichtig ist, dass ihr euch auf jeden Fall bevor ihr euch Tiere zulegt, ganz genau informiert. Das könnt ihr im Internet auf den bekannten Rattenseiten (siehe Links) machen oder ihr legt euch ein gutes (!) Rattenbuch zu.
Nur mit dem richtigen Grundwissen ist es möglich, Ratten (und auch andere Haustiere) richtig und artgerecht zu halten.

Von rattenwelt empfohlene Rattensachbücher in dieser Reihenfolge):

1. " Meine Ratten" von Brigitte Rauth-Widmann aus dem (Kosmos Verlag (2000)
--> unserer Meinung nach das Beste, was z.Z. überhaupt erhältlich ist! TOP
2. " Ratten" von Felicitas Ingendahl aus dem Augustus Verlag (1999)
--> ein gutes Buch für den Rattenneuling
3. " Pfiffige Ratten" von Andrea Langos aus dem Kosmos-Verlag (1997)
-->ebenfalls gut für Anfänger

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